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Keilriemen und Zahnriemen dienen beide der Kraftübertragung zwischen zwei Wellen, funktionieren aber nach unterschiedlichen Prinzipien:
Keilriemen – kraftschlüssig
Ein Keilriemen wird in die Keilform der Riemenscheibe gezogen.
Die Kraftübertragung erfolgt über die Flanken durch Reibung (Kraftschluss).
Durch dieses Prinzip kann es zu Schlupf kommen – der Riemen rutscht leicht in der Scheibe und überträgt deshalb nicht immer exakt die gleiche Leistung auf die angetriebene Welle.
Zahnriemen – formschlüssig
Ein Zahnriemen greift mit seinen Zähnen formschlüssig in die verzahnte Riemenscheibe ein.
Dadurch gibt es keinen Schlupf, und die Bewegung wird synchron und präzise übertragen.
Kurz gesagt:
➡️ Keilriemen = kraftschlüssig
➡️ Zahnriemen = formschlüssig
Keilriemen sind robust, rutschfähig (Schlupf als „Sicherheitsfunktion“) und geeignet für flexible, einfache Antriebe.
Zahnriemen eignen sich für präzise und schlupffreie Anwendungen, z. B. Steuerzeiten oder Positionierantriebe.
Keilriemen können mehrfach nebeneinander verwendet werden.
Alternativ nutzt man Kraftbänder/Verbundriemen, die mehrere Keilriemen fest miteinander verbinden.
Wenn mehrere einzelne Keilriemen nebeneinander laufen, müssen sie immer aus derselben Charge stammen, da es trotz gleicher Bezeichnung zu minimalen Längenunterschieden kommen kann.
Bei Keilriemen gibt es unterschiedliche Längenbezeichnungen, die sich jeweils auf verschiedene Messpunkte des Riemens beziehen. Die wichtigsten Längenangaben sind:
Die Innenlänge (Li) beschreibt die Länge an der Innenseite des Keilriemens.
Sie wird rundum im Inneren des Riemens gemessen.
Diese Messmethode ermöglicht eine sehr genaue Bestimmung der benötigten Riemenlänge.
Die Wirklänge (Lw oder Ld) ist die für die Funktion wichtigste Längenangabe.
Sie wird auf Höhe der Zugträger gemessen, also dort, wo der Keilriemen die Kraftübertragung auf die Riemenscheibe übernimmt.
Im gerissenen Zustand kann die Wirklänge von links nach rechts ermittelt werden.
Sie ist die Referenzlänge, die häufig in technischen Daten und Ersatzteilkatalogen verwendet wird.
Die Außenlänge (La) bezeichnet die Länge an der Außenseite des Keilriemens.
Sie wird ebenfalls rundum außen gemessen.
Auch diese Methode erlaubt eine genaue Längenbestimmung, ist aber nicht immer die technische Referenzgröße.
Nein, die verschiedenen Längenangaben eines Keilriemens sind nicht gleich lang.
Das liegt daran, dass die Längen an unterschiedlichen Stellen des Riemens gemessen werden – innen, auf Höhe der Zugträger oder außen. Und diese Stellen haben logischerweise unterschiedliche Strecken.
Ein Keilriemen ist ein dreidimensionales Bauteil mit einer Innen-, Mittel- und Außenseite.
Je weiter außen eine Messlinie liegt, desto größer ist die Strecke, die sie zurücklegt.
Stell dir vor, du hast eine Laufbahn im Stadion:
Bahn 1 (Innenbahn) ist am kürzesten.
Bahn 2 und 3 sind weiter außen und dadurch länger.
Alle Bahnen führen einmal rund um dasselbe Stadion, aber jede Bahn hat eine andere Streckenlänge, weil der Radius größer wird.
Genau so ist es beim Keilriemen:
Li (Innenlänge) = entspricht der Innenbahn → kürzeste Strecke
Lw/Ld (Wirklänge) = entspricht der mittleren Bahn → mittlere Strecke
La (Außenlänge) = entspricht der Außenbahn → längste Strecke
Obwohl es ein und derselbe Riemen ist, ergeben sich verschiedene Längen, je nachdem auf welcher „Bahn“ man misst.
Innen gemessen → kürzeste Länge
Auf Höhe des Zugträgers (Wirklänge) → technische Referenz
Außen gemessen → längste Länge
Alle drei sind korrekt – sie sind nur verschiedene Messlinien am selben Riemen.
Gezahnte Keilriemen sind flexibler, laufen besser über kleine Riemenscheiben, entwickeln weniger Wärme und können höhere Leistungen übertragen.
Glatte Keilriemen sind robuster, stabiler bei großen Scheibendurchmessern und oft die günstigere Lösung für einfache oder langsam laufende Anwendungen.
Keilriemen sind nicht für den Betrieb in öliger Umgebung geeignet.
Sie laufen am besten trocken, sauber und frei von Schmierstoffen. Öl verkürzt die Lebensdauer erheblich.
Keilriemen unterliegen während des Betriebs einer natürlichen Längung. Daher ist es notwendig, die Riemenspannung regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf nachzustellen. Besonders Standard-Keilriemen mit Polyesterzugstrang benötigen wiederkehrende Nachspannvorgänge.
Nach der Einlaufphase:
Nach ca. 20–30 Betriebsstunden sollten Keilriemen erstmals nachgespannt werden. In dieser Zeit dehnt sich der Riemen am stärksten.
Regelmäßige Kontrollen:
Anschließend sollte die Riemenspannung je nach Anwendung in folgenden Intervallen überprüft werden:
Normalbetrieb: alle 3–6 Monate
Schwerer oder staubiger Einsatz / hohe Belastung: alle 4–8 Wochen
Aramidverstärkte Keilriemen: deutlich weniger Nachspannbedarf, da sie wesentlich dehnungsärmer sind
Ein Keilriemen sollte sofort nachgespannt werden, wenn:
Quietsch- oder Schleifgeräusche auftreten
der Riemen durchrutscht oder Leistung verliert
der Antrieb ungewöhnlich warm wird
der Riemen zu tief im Rillengrund läuft
Beim Einbau sollte außerdem immer der erforderliche Verstellweg zum Spannen und Nachspannen eingeplant werden zum Spannen und Nachspannen des Keilriemens. Dadurch bleibt die Wartung jederzeit problemlos möglich.
zu geringe oder zu hohe Vorspannung
verschlissene oder falsche Scheiben
hohe Temperaturen
Öl, Fett oder Schmutz
falsches Profil oder falsche Riemenlänge
Riemenscheiben auf Verschleiß, Flankenwinkel und Rundlauf prüfen
Scheibenfluchtung kontrollieren
Riemenlänge und Profil mit der Anwendung abgleichen
Riemen nicht aufhebeln oder knicken
Auch wenn auf allen Keilriemen das gleiche Profil und die gleiche Nennlänge steht, entstehen in der Produktion kleine, toleranzbedingte Längenunterschiede zwischen verschiedenen Chargen.
Das bedeutet:
Keilriemen derselben Größe können – je nach Produktionscharge – minimal unterschiedliche Längen haben. Das ist völlig normal und liegt innerhalb der erlaubten Fertigungstoleranzen.
Riemen aus derselben Charge sind hingegen exakt aufeinander abgestimmt und gleich lang.
Daher gilt:
Ein einzelner neuer Riemen aus einer anderen Charge passt nicht exakt zu den bereits laufenden Riemen.
Bei einem mehrrilligen Antrieb müssen daher immer alle Riemen gemeinsam ersetzt werden, da selbst kleinste Längenunterschiede die Kraftverteilung stören und die Standzeit deutlich verkürzen.
👉 Die Chargennummer ist zusätzlich zur Riemenbezeichnung direkt auf dem Riemen aufgedruckt.
Ein quietschender Keilriemen ist fast immer ein Zeichen dafür, dass der Riemen auf der Riemenscheibe rutscht (Riemenschlupf). Dadurch entsteht Reibung, die das typische Quietschgeräusch verursacht.
Zu geringe Spannung: Der Riemen wird nicht fest genug auf die Scheibenflanken gedrückt und kann deshalb nicht ausreichend Reibkraft aufbauen.
Verschleiß oder Versprödung: Gealtertes, hart gewordenes oder beschädigtes Material verliert Grip.
Verschmutzung: Öl, Fett, Kühlmittel oder Reinigungsmittel auf dem Riemen oder der Scheibe vermindern die Reibung.
Beschädigte oder abgenutzte Riemenscheiben: Abgeflachte Flanken oder „ausgewaschene“ Scheiben führen zu schlechter Kraftübertragung.
Falsche oder ungünstige Riemenführung: Umlenk- oder Spannrollen, die nicht zur Geometrie passen, können Schlupf begünstigen.
Unterdimensionierter Antrieb: Wenn zu wenig Riemenbreite oder zu wenige Riemen eingesetzt werden, ist die Last oft höher als die übertragbare Reibkraft.
Riemen korrekt nachspannen (Herstellerangaben beachten).
Riemen und Scheiben reinigen, falls Verunreinigungen vorhanden sind.
Beschädigte oder verschlissene Riemen und Scheiben ersetzen.
Führung und Ausrichtung prüfen: Spannrollen richtig positionieren, Riemenverlauf kontrollieren.
Lastverhältnisse prüfen: Bei wiederkehrendem Schlupf kann eine größere Scheibe, ein breiteres Profil oder ein zweiter Riemen notwendig sein.
Keine Spray-Hilfsmittel verwenden: „Riemensprays“ beseitigen das Problem nicht dauerhaft und können Material schädigen.
Meist durch Überlastung, falsche Spannung, extreme Temperaturen oder Materialschäden.
Was sind typische Auslöser?
Zu hohe oder falsche Spannung
Zu kleine Scheiben/Rollen
Öl, Fett, Schmutz oder Chemikalien
Fremdkörper im Antrieb
Montagefehler
Wie kann ich das vermeiden?
Riemen korrekt spannen, saubere Umgebung sicherstellen, passende Scheiben nutzen, ohne Gewalt montieren und regelmäßig prüfen.
Schwingungen entstehen, wenn der Antrieb nicht gleichmäßig läuft – meist durch falsche Spannung, ungünstige Geometrie oder mechanische Unwuchten.
Typische Ursachen:
Unterdimensionierter Antrieb → Riemen müssen mehr leisten als vorgesehen
Zu geringer Achsabstand oder zu große Distanz → instabiler Lauf
Falsche oder zu geringe Riemenspannung
Unausgewuchtete Riemenscheiben
Stoßbelastungen oder Lastwechsel
Falsch positionierte Spann- oder Führungsrollen
Lange Riemenstrecken, die zum „Flattern“ neigen
Wie kann man das vermeiden?
Riemen korrekt spannen
Achsabstände prüfen und ggf. anpassen
Riemenscheiben auswuchten
Rollen richtig positionieren
Antrieb ausreichend dimensionieren
Hochwertige Keilriemen lassen sich an mehreren Punkten erkennen:
Saubere, gleichmäßige Flanken
→ Keine Ausfransungen, keine Materialrisse, keine rauen Kanten.
Stabiles Zugstrangmaterial
→ Geringe Dehnung, hohe Festigkeit, keine sichtbaren Faserbrüche.
Glatte, dichte Oberflächenstruktur
→ Keine Lufteinschlüsse, Blasen oder poröse Stellen.
Exakte Maßhaltigkeit
→ Länge, Breite und Höhe stimmen – der Riemen sitzt sauber in der Rille.
Gerader Riemenverlauf
→ Riemen ist nicht verwunden oder verzogen.
Geringe Geräuschentwicklung im Betrieb
→ Kein Quietschen, Schlagen oder Laufunruhe.
Hohe Temperatur- und Abriebbeständigkeit
→ Material bleibt stabil, auch bei Belastung oder Wärme.
Geringer Wartungsaufwand
→ Wenig oder keine Nachspannvorgänge, konstante Länge.
ungleichmäßige Kanten
fransige Flanken
unangenehmer, stechender Geruch (Billigmaterialien)
starke Längenänderung nach kurzer Laufzeit
sichtbare Risse oder Materialablösungen
Ein hochwertiger Keilriemen ist maßhaltig, leise, langlebig, temperaturstabil und zeigt eine saubere Verarbeitung ohne optische Mängel.
Hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer, niedrige Temperaturen verändern die Flexibilität und können Materialschäden begünstigen.
Was passiert bei Hitze? 🔥
Material altert schneller
Riemen wird spröde
Laufzeit nimmt deutlich ab
Was passiert bei Kälte? ❄️
Riemen wird steif
Risse beim Start möglich
Erstbetrieb am besten bei moderater Temperatur
Worauf sollte man achten? ✔️
Keine Dauerbelastung im Hochtemperaturbereich
Riemen vor Betrieb nicht eiskalt starten
Immer für gute Wärmeabfuhr sorgen
Wie schnell darf ein Riemen laufen?
Je nach Bauart gibt es klare Richtwerte:
Klassische Keilriemen: bis ca. 30 m/s
Schmalkeilriemen / Hochleistungsriemen: bis ca. 40–55 m/s
Hochleistungs-Flachriemen: bis ca. 50 m/s
Warum gibt es Grenzen?
Zu hohe Geschwindigkeit führt zu:
stärkerer Erwärmung 🌡️
höherer Fliehkraft 🌀
schnellerem Verschleiß ⏳
möglicher Unruhe oder Schwingungen im Antrieb
Woran sollte man sich halten?
Immer den empfohlenen Maximalwert der jeweiligen Riemenart beachten
Hohe Geschwindigkeiten nur mit passenden Scheibendurchmessern und guter Auswuchtung betreiben ✔️